Zur Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Marienberg
Der eigentliche Ursprung der Freiwilligen Feuerwehr Marienberg, ist im 1861 gegründeten Allgemeinen Turnverein Marienberg zu finden, welcher sich " ... wacker beim Löschen und Retten im Sommer desselben Jahres bei einem Brande in Dörfel beteiligte und dafür eine Gratifikation von 2 Thalern ..." erhielt.
Hier reifte bei den Mitgliedern des Turnvereines der Entschluss, sich entsprechend zu organisieren und eine "Freiwillige Turner - Feuerwehr" zu gründen, welcher am 04. Juli 1862 umgesetzt wurde.
Dieser Wehr traten sofort 47 Mitglieder bei, welche sich in drei Abteilungen gliederte:
1. einer Abteilung "Steiger",
2. einer Abteilung "Rettungsmannschaft"
3. einer Abteilung zur Bedienung der Spritzen und dergleichen "Hilfsmannschaft".
Neben Handwerkern und Arbeitern traten der Wehr auch ein Fabrikant und zwei Lehrer bei. Nimmt man die heutigen Mitgliederzahlen hinzu, so ist festzustellen, dass sich am prozentualen Anteil der Feuerwehrmitglieder an der Gesamtzahl der Bürgerschaft nicht viel verändert hat.
Die erste Einsatzbekleidung wurde übrigens von jedem einzelnen Mitglied selbst finanziert. Lediglich Filzhüte für die Steiger und erst 1867 Helme wurden durch die Stadt beschafft.
Von Anfang an wurde die Wehr in vielen Einsätzen gefordert (im ersten Jahrzehnt des Bestehens u. a. zu 15 Bränden innerorts und 16 außerhalb der Stadt) und auch eine strenge Dienstdurchführung erforderte die eiserne Disziplin jedes einzelnen.
Wenn man bedenkt, dass die "Spritze" per Hand zur Einsatzstelle gezogen werden musste, kann man sich vorstellen, welchen extrem körperlichen Belastungen die Feuerwehrmänner ausgesetzt waren.
Nach und nach wurde auch notwendige Technik beschafft und 1927 wurde der Wehr das erste motorisierte Löschfahrzeug vom Typ "Opel" mit zwei Tragkraftspritzen und anderer Technik übergeben, welches die Firma Flader aus Jöhstadt zum Preis von 19.000,- Reichsmark lieferte.
Dieses Fahrzeug kam im gesamten "Amtshauptmannschaftlichen Bezirk" zum Einsatz und erhielt somit den Namen "Bezirksspritze".

Am 15.06.1931 kam es in der Mosikfabrik durch einen Blitzschlag zu einem Großbrand.
Im Jahre 1932 kam dann noch ein Mannschaftswagen mit acht Sitzplätzen hinzu, der 1936 durch Flader Jöhstadt zum Gerätewagen umgebaut wurde, was dann zur Wiederbeschaffung eines Mannschaftswagens mit 5 Sitzplätzen führte. 1939 kam dann noch ein LF 15 vom Typ "Borgward" - ebenfalls von Flader Jöhstadt hinzu.
Auch für die Feuerwehr begann 1933 eine Zeit, die von schwerwiegenden Veränderungen geprägt war und im Jahre 1945 ein dramatisches Ende nehmen sollte. Da war die schriftliche Forderung des Rates der Stadt vom 20. Oktober , dass " ... in Uniform mit dem deutschen Gruß zu grüßen ...und in strammer Haltung den rechten Arm zu erheben ..." sei wohl die kleinste Veränderung. Auf der Basis der Ausführungsbestimmungen des Feuerlöschgesetzes vom 02.02.34 wurden 1936 die Feuerwehren Marienberg, Marienberg-Gebirge und Marienberg Gelobtland zu einer Feuerwehr mit 5 Zügen zusammengefasst.
In Form von Kommandostellen blieb diese Struktur bis Mitte der 90-er Jahre bestehen. Ebenfalls 1936 wurde eine Alters- und Ehrenabteilung gebildet, die bis 1945 bestand und erst 1993 wieder gegründet wurde. Auch die Organisation im Feuerwehrverband wurde 1939 abgeschafft und die Feuerwehr zum Bestandteil der Polizei gemacht. Im Jahre 1943 gab es schon 32 mal Fliegeralarm und 1944 waren es bereits 72. Wenn auch auf das Stadtgebiet bis dahin noch keine Bomben gefallen waren, musste zwecks Vermeidung eines Totalverlustes Mensch und Technik bei Alarm dezentralisiert, also im Stadtgebiet verteilt werden. 1945 erfolgt die Eingliederung der Feuerwehrbereitschaften (motorisiert) in das zweite Aufgebot des Volkssturmes und bis 08. Mai gab es schon 61 mal Fliegeralarm, wobei im Zusammenhang mit den Angriffen auf die nahe gelegenen Großstädte Dresden und Chemnitz auch in Marienberg mehrere Gebäude zerstört wurden.
Weiter kam die Wehr auch in umliegenden Orten und sogar bis Chemnitz zur Bekämpfung von Bombenschäden zum Einsatz. Um die im Kriegsdienst befindlichen Kameraden zum Teil zu ersetzen, wurde bereits 1943 eine HJ-Feuerwehr gegründet, die Jugendliche für den Feuerwehrdienst ausbildete.
Als traurigstes Ergebnis des verlorenen Krieges war für unsere Wehr der Verlust von insgesamt 45 gefallenen Kameraden zu tragen.
Nach den ersten freien und geheimen Wahlen nach 1933 in der Geschichte unserer Wehr wurde wieder eine Jugendfeuerwehr gegründet, welche aber bis in die 80-er Jahre in Form der "Jungen Brandschutzhelfer" praktisch unter anderem Namen schon bestand und ebenfalls
Kommandowagen BMW
Was die Technik anbetraf, so konnten sich die Marienberger glücklich schätzen, denn weder von fliehenden Einheiten und Funktionären noch von den nachfolgenden
Besatzern wurden Einsatzfahrzeuge entwendet. Lediglich Anfang der 50-er Jahre wurde im Zusammenhang mit der Bildung eines Kommandos (BF) Feuerwehr sowohl Technik als auch Räumlichkeit für diesen Zweck beschlagnahmt, was natürlich zu erheblichen Differenzen führte. Die Freiwillige Feuerwehr musste sich eine neue Unterkunft suchen, selbst ausbauen und erhielt erst nach vielen Aussprachen ein LF 15 (Borgward) zurück, allerdings mit der Einschränkung, das man das Fahrzeug jederzeit wieder abziehen könne.
1956 erst ging nach Auflösung des Kommandos F sämtliches Inventar wieder an die FF zurück und ihr wurde wieder der gesamte Brandschutz übertragen. Damit ging es auch wieder "bergauf" und die Wehr wurde zu einer schlagkräftigen Truppe, deren technische Voraussetzungen allmählich insbesondere auch durch Eigeninitiative immer mehr verbessert wurden.
Als besonderer Höhepunkt ist dann am 07. Oktober 1977 der Bezug eines neuen und sehr geräumigen Feuerwehrgerätehauses zu betrachten, wo die Wehr 1 TLF 16 W 50, 1 LF 16 W 50, 1 LF 8 Robur, 1 Mannschaftswagen P3 und 1 Schlauchwagen P 3 sowie diverse Spezialanhänger (SBA, CO2, AL 18) zur Verfügung hatte.






Da insbesondere Tanklöschfahrzeuge eine Seltenheit darstellten, wurde die Wehr sehr viel bei überörtlichen Einsätzen gefordert, so zum Beispiel beim Brand des Schlosses "Purschenstein" in Neuhausen.
Nach den Veränderungen des Jahres 1989 und der Widervereinigung Deutschlands kam auch auf die Marienberger Kameraden viel Neues hinzu. Natürlich kamen mit der Wende neue Aufgaben hinzu, wie die Rettung / Bergung von Verletzten infolge von Verkehrsunfällen. So reagierte man schon im Jahre 1990 seitens der Verantwortlichen und schaffte ein Rettungsaggregat (Spreizer/Schere) an. Durch die Stadt Lingen wurde ein ausgesondertes LF 8 und eine DL 23-12 an die Marienberger Wehr übergeben, welche uns gute Dienste leisteten, aber auch schon wieder durch neue Technik ersetzt wurden.

Ein besonderer Höhepunkt war die Partnerschaft mit den Kameraden der FF Bad Marienberg / WW. die auch heute noch gepflegt wird und mittlerweile von persönlichen Freundschaften geprägt ist.
Auch wurde die Wehr zu verschiedenen Großeinsätzen wie u.a. den beiden verheerenden Hochwassern 1999 und 2002 eingesetzt. Weitere spektakuläre Einsätze sind unter Einsätze dokumentiert

Nach und nach wurde auch immer wieder die neue Technik angeschafft, so dass die Wehr heute über einen modernen Fahrzeugpark und ebenso moderne Ausrüstung verfügt wieder eine Alters- und Ehrenabteilung für unsere verdienten Veteranen.
(Quelle: Festschrift 135 Jahre FF Marienberg, Krämer, Giller, Voggenreiter, Neumann)
