ABC-Gefahrenabwehrzugcimg6062

Die Feuerwehr Marienberg stellt neben den Feuerwehren Niederneuschönberg, Kleinneuschönberg und Lengefeld wesentliche Bestandteile des Gefahrenabwehrzuges. Der ehemalige Landkreis MEK hat in den zurückliegenden Jahren umfangreiche Anstrengungen unternommen, um im Kreis eine funktionierende Struktur zur Abwehr von ABC-Gefahren aufzubauen. So stehen neben den Gerätewagen Gefahrgut der Feuerwehr Marienberg und Niederneuschönberg, ein Messleitwagen (Niederneuschönberg), ein Erkundungskraftwagen (Marienberg), eine Strahlenschutzeinheit (Kleinneuschönberg), eine Dekon-P Komponente (Lengefeld) zur Verfügung. Die Struktur wird unterstützt durch die LF 16/12 Marienberg und LF 16/12 Niederneuschönberg sowie ELW Marienberg und Lengefeld. Eine geeignete Ausrückestruktur wurde gefunden, die sich in mehreren Einsätzen bereits bewähren konnte. Die Ausbildung der Kameraden erfolgt in der FFW Marienberg zusätzlich zum wöchentlichen Dienst, der jedoch ohnehin ABC-Ausbildungen beinhaltet. Die Kameraden sind teilweise im Katastrophenschutz tätig. Neben der Ausbildung in der Heimatfeuerwehr, in der die Truppmann, Truppführer, Funker und PA-Träger Ausbildung stattfindet, werden die Kameraden an der Landesfeuerwehrschule in den Lehrgängen ABC-Grundlagen, ABC-Technik und ABC-Messen geschult. Führungskräfte durchlaufen ferner die Lehrgänge ABC-Führen I (Gruppenführer ABC) und Führen II (Zugführer Gefahrenabwehrzug).

 

In den vergangenen Jahren wurden einige, teilweise spektakuläre Gefahrguteinsätze abgearbeitet. Noch unter dem Eindruck des 11. September wurde ein Drebach bei aufgefundenen Eisblöcken ein einer Bushaltestelle ABC-Alarm ausgelöst. Die Gegenstände wurden unter CSA geborgen und gesichert. Mehrfach wurden Chlorgasaustritte gesichert und die Gaswolke niedergeschlagen. In Zöblitz wurde 2007 eine größere Menge Säure in einer Produktionshalle gesichert und beseitigt. Durch einen Suizid wurde ebenfalls im Jahr 2007 der Einsatz der Gefahrgutkomponente erforderlich. Im Jahr 2008 wurden Teile des ABC-Zuges in Annaberg-Buchholz zur Abarbeitung und Unterstützung der dort vorhandenen Gefahrguteinheit angefordert. Kurze Zeit später konnte wiederum in Drebach eine größere Menge Silofarbe aus einem Gewässer geborgen werden. Rückstände wurden im Kanalsystem bis zur Entsorgung zurückgehalten. Natürlich sind nicht von jedem Einsatz Fotos vorhanden, da ja zunächst immer erst der Einsatz im Mittelpunkt steht, und später die Dokumentation vorgenommen werden kann.

In der Feuerwehr Marienberg stehen im Rahmen des Gerätewagen Gefahrgut 3,5 und des Erkundungskraftwagens folgende Mittel zur Verfügung:

 

GWG 3,5gwg017a
Vetter Rohrdichtkissen ø100-1000mm
Vetter Leckdichtkissen mit Dichtungsplatte und Säureschutzhülle
diverse Bebänderungen
Ölbinderräumschaufel
Gefahrgutfasspumpe mit Ansaugrohr aus PP und Edelstahl
Chemikalienbeständige Schläuche V4A je 5m
Armaturen für Schlauchmaterial
Edelstahl-V2A Handmembranpumpe
Großbehälter PE 220l 2x
Verschraubbarer Sammelbehälter 60l
Edelstahlauffangfass V4A 315 l 1x
Edelstahlbergefass V4A 400l 1x
Edelstahlauffangwanne, Eimer und Trichter
Auffangrinne V4A 1,8m 4x
PE-Folie 6x12m
Erdungsmaterial
Notstromaggregat 3kVA
Ex-geschützte Handlampe 220V
Ex-Messgerät EX-PEM
Ex-Messgerät Severin (Erdgas)
Schachtabdeckungen 2x
Nicht funkenreißende Werkzeuge
Chemikalienschutzanzüge Körperschutzform 3 Typ 1a 4x
Spritzschutzanzug Isopant 4x
Staubschutzanzug 2x
Ölbinder Straße 4x
Ölbinder schwimmfähig 4x
Säurebinder 2x
Ölmatten
Verkehrszeichen, Warnschilder
Gefahrstoffübersicht Nüssler
Kartenmaterial
2m-Funkgerät Bosch 2x
Sprechgarnitur für CSA 4x
Erste-Hilfe-Kasten
Wechselbekleidung



ErkKWerkkw

Messcontainer
Auer PID - Photoionisationsdetektor
Bruker IMS – Ionenmobilitätsspektrometer
FH40G – Dosisleistungsmessgerät
NBR-Sonde
PC mit GPS-Anschluss und Schnittsteller für Messgeräte
Messerweiterung Radiologie MER 1 – Kontaminationssonde
Messerweiterung Radiologie MER 2 – Teleskopsonde
Dosiswarngeräte
Aktion-Set Gasprüfröhrchen
Simultantest Leitsubstanzen
Hygrometer
Windmesser
Kompass
Fernglas
Wetterstation Temperatur/Windrichtung/Windstärke/Regenmengenmessung/Luftdruck/Luftfeuchte/mit PC-Schnittstelle
Probenahmematerial mit Kellen, Spatel u.ä. (Flaschen PE und Glas)
Teststreifen Unitest und Öl
Protokoll- und Schreibset
Kartenmaterial 1:10 000 und 1:50 000
Navigationsgerät Becker
Chemikalienschutzanzüge Körperschutzform 3 Typ 1a 2x
Chemikalienschutzanzüge Körperschutzform 3 Typ 1b 2x
Spritzschutzanzüge 2x
Kontaminationsschutzanzüge 4x
Warnschilder, Absperrmaterial
Gefahrgutliteratur GGVS und Nüssler
Sprechgarnituren CSA 6x
Auffangbecken selbstaufrichtend 5000 l

 

 

 

 

Neben dem Feuerwehrschutzanzug nach HUPF, stehen den Einsatzkräften der FFW Marienberg für den Fall eines ABC-Einsatzes verschiedene Schutzanzüge der Körperschutzform I-III zur Verfügung, deren Anlegen in der lfd. Ausbildung ständig trainiert wird. Bereits bei der Einsatzvorbereitung sind entscheidende Grundlagen zu beachten, die für einen Erfolg des ABC-Einsatzes grundlegend sind. So gilt eine geordnete Vorbereitung des Schutzanzuges, der benötigten persönlichen Sonderausrüstung und der abgelegten Bekleidung für die Zeit des Einsatzes als besonders wichtig. Hierzu werden alle Materialien auf einer Ankleideplane abgelegt und für jede Einsatzkraft getrennt gelagert. Die Prüfung des Atemschutzgerätes, der Funkgeräte mit Sprechgarnitur sowie der Vollständigkeit der Schutzbekleidung sowie der ordnungsgemäße, möglichst faltenfreie Sitz des Anzuges sind Grundlagen, die immer wieder trainiert werden. Beim Einsatz von schweren Chemikalienschutzanzügen wird auf die Präparierung der Sichtscheiben des Anzuges sowie der Atemschutzmaske besonderer Wert gelegt. Auch die Einstellung der Mess- und Warngeräte werden fortlaufend geübt.

anzug023aDer Kontaminationsschutzanzug kommt bei atomaren Gefahren zum Einsatz, und schützt den Träger vor direkten Kontakt mit radioaktiven Stäuben und Material. Neben dem Anzug besteht die erforderliche persönliche Ausrüstung noch aus dem Filmdosimeter und dem Dosiswarngerät (Alarmdosimeter). Nach Abschluss des Einsatzes werden die Einsatzkräfte mit einer Kontamiationssonde auf anhaftende radioaktive Rückstände geprüft.

anzug011aDer Flammschutzanzug (Isopant-Anzug), dient den Einsatzkräften zum Schutz vor brennbaren Stoffen - vor allem Flüssigkeiten. Neben der “Abperlwirkung”, die ein Eindringen und Anhaften von Flüssigkeiten verhindert, besteht die Schutzwirkung in einem “Aufschäumen” des Materials bei Flammeneinwirkung, was den Träger des Anzuges bei einer Stichflamme kurzzeitig vor der Wärmestrahlung schützt. Nicht zu vergessen ist die antistatische Wirkung des Anzuges, was einer Funkenbildung entgegen wirkt.

Schwere, geschlossene Chemikalienschutzanzüge sind in 2 Formen im Bestand der FFW Marienberg. Im Bereich Schadstofferkundung - Messen und Spüren, wird ein Schutzanzug mit aussenliegendem Pressluftatmer eingesetzt. Für Abwehrmaßnahmen sind Anzüge mit innenliegendem Pressluftatmer vorhanden. In beiden Fällen sind die Anzüge gasdicht und gegenüber zahlreichen Chemikalien für eine gewisse Zeit widerstandfähig. Beim Anlegen aller Schutzformen ist auf besondere Sorgfalt zu achten. anzug018aDie Einsätzkräfte sind mit ihren Anzügen üblicherweise innerhalb von ca. 20 min. einsatzbereit. Der Einsatz erfolgt nur, wenn die anschließende Reinigung (Dekontamination) sichergestellt und einsatzbereit ist.

27082005021aAm 27.05.2008 wurde eine Gefahrgutübung in der Altstadtkaserne Marienberg durchgeführt. Die unangekündigte Einsatzübung stellte die Einsatzkräfte der Feuerwehren Marienberg und die Dekon-Einheit aus Lengefeld vor die Aufgabe, einen Verkehrsunfall mit Beteiligung eines Gefahrguttransporters für radioaktive Stoffe einschließlich beschädigter Transportbehälter abzuarbeiten. Ziel war die Erkennung der Gefahrensituation, der Gefahrenklasse und den Aufbau des A-Einsatzes zu trainieren. Die über die Unfallstelle verteilten Gefahrstoffverpackungen, welche teilweise beschädigt waren, sollten durch einen Messtrupp auf Beschädigungen und erhöhte Strahlungswerte geprüft werden. 

27082005025aNach der Einrichtung des Dekon-Bereiches konnte zunächst der im Absperrbereich befindliche Fahrer des Gefahrstofftransporters auf Kontamination überprüft werden. Gleichzeitig begann der erste Messtrupp mit Hilfe der Teleskopmesssonde seine Arbeit. Nach dem Ausmessen der Behälter sowie der Umgebung stand schnell fest, dass in 2 Bereichen die ortsübliche Nullrate bedingt durch die natürliche Strahlung um mehr als das dreifache überschritten war. Die Bereiche wurden dokumentiert. Nach Auffinden der Teststrahler war die Aufgabe erfüllt. Jedoch wurde bei der anschliessenden Dekontamination des 2. Messtrupps eine Anhaftung simuliert, die durch die Dekontrupps sofort erkannt wurde.

Kurz gesagt - “Saubere Arbeit”

Abschließend sei noch vielen Dank an alle Beteiligten gesagt - vor allem natürlich den Lengefelder Kameraden, die gegenwärtig häufig zu derart Übungen bemüht werden. Dank gilt auch der Firma Teucher aus Annaberg, die ein geeignetes Fahrzeug zur Verfügung stellte - und Dank auch den Kameraden, für die Gefahrgut nicht immer im Vordergrund des Feuerwehrdaseins steht - aber jeder kann in derartige Situationen, die hoffentlich selten sein sollten, geraten.


 

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